10 Sätze aus deiner Kindheit, die dich heute noch triggern
Und was du deinen Kindern nicht sagen solltest
Man denkt ja oft: „Ach komm, das ist doch ewig her.“ Aber genau das ist der Punkt: Manche Sätze sind nicht nur Worte. Sie sind eine Erfahrung. Als Kind hast du nicht bewertet wie heute. Du hast nicht gedacht: „Okay, Mama ist gestresst, das meint sie nicht so.“ Du hast nur gespürt: Ist es sicher, ich zu sein oder nicht?
Und wenn ein Satz damals wiederholt kam, oder in einem Moment, wo du sowieso schon überfordert warst, dann hat dein System daraus eine Regel gemacht. So eine innere Regel wie:
„So wie ich bin, ist es zu viel.“
„Ich muss funktionieren, sonst gibt’s Ärger.“
„Liebe ist an Bedingungen geknüpft.“
Trigger sind deshalb oft nicht Überempfindlichkeit, sondern alte Schutzmechanismen, die anspringen, sobald etwas Ähnliches passiert wie damals.
„Du bist zu sensibel.“
Du hast gelernt: „Mein Gefühl ist falsch.“ Nicht die Situation wird hinterfragt, sondern du. Das macht was Heftiges mit einem Kind, weil du dadurch anfängst, dir selbst zu misstrauen. Du entwickelst innerlich so eine Art Selbst-Korrektur: „Ich darf nicht so reagieren.“
Wie sich das heute zeigt:
* Du erklärst dich ständig („Ich weiß, das klingt albern, aber…“).
* Du entschuldigst dich für Tränen oder Emotionen.
* Du schluckst Dinge runter, bis du plötzlich explodierst und schämst dich danach.
Beispiel: Dein Partner sagt was Schnippisches. Du merkst, es tut weh. Aber statt zu sagen „Das war gerade verletzend“, sagst du: „Schon gut, war mein Fehler.“
„Reiß dich zusammen.“
Das war keine Beruhigung, sondern eine Botschaft: „Dein Zustand ist störend.“ Du hast gelernt, dass du nicht gehalten wirst, wenn du fällst, sondern dass du dich zusammennehmen musst, um erträglich zu sein. Dadurch entsteht oft dieses innere Muster erst funktionieren, dann fühlen.
Wie sich das heute zeigt:
* Du bist stark für alle, aber bei dir selbst bist du hart.
* Du brauchst oft eine Art Zusammenbruch, um überhaupt zu merken, dass es zu viel war. Du gehst krank arbeiten, machst weiter, lächelst, obwohl du innerlich leer bist.
Beispiel: Du bist komplett überfordert, aber sagst: „Passt schon“, und nachts liegst du wach, Herzrasen, Grübelspirale.
„Gleich hast du’s geschafft.“
Klingt motivierend, ist aber oft ein versteckter Deal: „Du darfst erst entlastet werden, wenn du durchgezogen hast.“ Du lernst: Erholung kommt nicht, weil du ein Mensch bist, sondern weil du etwas geleistet hast.
Wie sich das heute zeigt:
* Du kannst schwer entspannen, wenn nicht alles fertig ist.
* Selbst Freizeit fühlt sich wie ein schlechtes Gewissen an.
* Du belohnst dich erst, wenn du am Limit bist.
Beispiel: Du setzt dich kurz hin, aber nach 2 Minuten springst du wieder auf, weil es sich falsch anfühlt, zu sitzen.
„Jetzt hör auf zu weinen.“
Du hast gelernt: „Tränen sind unerwünscht.“ Oft steckt da drin: „Deine Emotionen überfordern mich.“ Aber als Kind hörst du nicht „ich bin überfordert“, du hörst: „Mit dir stimmt was nicht.“
Wie sich das heute zeigt:
* Du weinst heimlich oder gar nicht mehr.
* Du merkst Gefühle eher körperlich (Kloß im Hals, Druck auf der Brust), aber kannst sie nicht gut rauslassen.
* Du fühlst dich schwach, wenn du emotional wirst.
Beispiel: Du bist traurig, aber statt das zuzulassen, fängst du an aufzuräumen, zu scrollen, irgendwas zu tun, Hauptsache nicht fühlen.
„Ich bin enttäuscht von dir.“
Für ein Kind ist das brutal, weil Enttäuschung sich anfühlt wie: „Ich bin nicht mehr richtig in deinem Herzen.“ Dadurch entsteht oft ein innerer Leistungsmodus: Liebe sichern durch richtig sein.
Wie sich das heute zeigt:
* Du hast Angst, Fehler zu machen, weil du innerlich sofort Wertverlust spürst.
* Du bist übergenau, überzuverlässig oder perfektionistisch.
* Kritik trifft dich nicht nur sachlich, sondern wie ein Angriff auf deinen Wert.
Beispiel: Jemand sagt „Das war nicht optimal“ und in dir geht direkt an: „Ich hab’s verkackt. Ich bin schlecht.“
„Andere haben es schlimmer.“
Dein Schmerz wurde nicht gehalten, sondern weggeschoben. Du lernst: „Meine Gefühle sind nicht wichtig genug.“ Das macht dich später oft zu jemandem, der zwar für andere Verständnis hat, aber für sich selbst kaum.
Wie sich das heute zeigt:
* Du erlaubst dir keine Traurigkeit („Andere schaffen das auch.“).
* Du wirst hart zu dir, sobald es dir schlecht geht.
* Du redest dir Probleme klein, bis sie groß werden.
Beispiel: Du bist am Ende, aber sagst: „Stell dich nicht so an.“ Und genau dadurch wird es schlimmer.
„Stell dich nicht so an.“
Das ist wie ein Stempel: „Deine Reaktion ist übertrieben.“ Du lernst, dich selbst nicht ernst zu nehmen. Und wenn du dich selbst nicht ernst nimmst, spürst du irgendwann auch deine Grenzen nicht mehr klar.
Wie sich das heute zeigt:
* Du merkst erst spät, dass dir etwas nicht gut tut.
* Du tolerierst zu viel und wirst dann plötzlich kalt oder weg.
* Du erklärst deine Grenzen so lange, bis du dich selbst überredet hast.
Beispiel: Du sagst „eigentlich will ich nicht“, machst es aber trotzdem, und ärgerst dich hinterher über dich.
„Du machst mir Kummer.“
Das ist ein ganz typischer Satz, der einem Kind zu viel Verantwortung gibt. Du lernst: „Ich bin schuld an den Gefühlen anderer.“ Und das führt oft zu People-Pleasing: lieber du bist unbequem für dich, als dass jemand anders traurig ist.
Wie sich das heute zeigt:
* Du fühlst dich schuldig, wenn du Nein sagst.
* Du spürst sofort die Stimmung anderer und versuchst, sie zu retten.
* Du nimmst Rücksicht bis zur Selbstaufgabe.
Beispiel: Du willst einen Termin absagen, hast aber Angst, dass die Person enttäuscht ist, also gehst du hin, obwohl du krank bist.
„Du übertreibst.“
Das greift direkt deine Wahrnehmung an. Du lernst: „Ich kann mir nicht trauen.“ Das ist einer der Gründe, warum viele Erwachsene später so krass grübeln: sie suchen Sicherheit im Denken, weil sie sich im Fühlen nicht sicher fühlen.
Wie sich das heute zeigt:
* Du analysierst dich tot („War das wirklich so?“).
* Du brauchst Bestätigung von außen, bevor du dir glaubst.
* Du erklärst anderen Dinge extra sachlich, um ja nicht zu emotional zu wirken.
Beispiel: Du fühlst dich verletzt, aber wartest erst, ob jemand anders es auch komisch fand, bevor du es ernst nimmst.
„Jetzt sei doch nicht so.“
Das ist so ein Satz, der dich in eine Form pressen will. Du lernst: „So wie ich gerade bin, ist nicht okay.“ Dadurch entsteht oft ein innerer Druck, immer angenehm zu sein.
Wie sich das heute zeigt:
* Du schluckst deine Meinung, um keinen Stress zu machen.
* Du spielst Dinge runter, obwohl sie wichtig sind.
* Du wirkst nach außen locker, aber innen bist du angespannt.
Beispiel: Jemand verletzt dich mit einem Spruch. Du lachst drüber, aber später beschäftigt es dich stundenlang.
Spannende Fakten
Dein Trigger ist oft schneller als dein Verstand. Dein Körper reagiert manchmal in Millisekunden: Herz schneller, Magen eng, Kloß im Hals. Das passiert, bevor du überhaupt nachdenken kannst. Heißt: Du bildest dir das nicht ein. Dein System hat nur gelernt: „Achtung, das kenne ich.“
Unterdrückte Gefühle werden nicht weg, sie wechseln nur das Ausdrucksmedium. Wenn du lange funktionierst, sucht sich der Druck irgendwann einen anderen Weg: Verspannungen, Schlafprobleme, Gereiztheit, Essen, Rückzug, Dauerscrollen. Nicht, weil du schwach bist, sondern weil dein Körper irgendwann sagt: „Okay, dann übernehme ich das jetzt.“
Viele Überreaktionen sind eigentlich alte Schutzprogramme. Wenn du heute in einem Streit übererklärst, dich entschuldigst oder dicht machst, ist das oft nicht dein Charakter. Das ist ein altes Programm: „So überlebe ich Konflikt.“ Und sobald du das erkennst, kannst du es Schritt für Schritt umschreiben.
Wenn dich solche Sätze heute noch treffen,...
.... dann ist das kein Beweis dafür, dass du nicht weiter bist. Es ist eher ein Beweis, dass du gelernt hast, dich anzupassen und zwar früher, als du es eigentlich hättest müssen. Du bist nicht zu sensibel. Du hast nur früh gelernt, dass deine Gefühle nicht willkommen sind. Und jetzt darfst du lernen: Du musst nicht mehr beweisen, dass du stark bist. Du darfst auch einfach ein Mensch sein. Mit allem, was da ist.
Wenn du mehr darüber erfahren möchtest oder wissen willst, was du heute dagegen tun kannst, schau gerne mal hier:
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